BATTLE OF THE SEXES - GEGEN JEDE REGEL


FILMKRITIK:

„Wenn man gleich viel arbeitet, sollte Frau das gleiche verdienen.“ kann man auch in den Tagen vor der Bundestagswahl noch auf Plakatwänden lesen, die Selbstverständlichkeit gleicher Entlohnung von Männern und Frauen ist also auch im Jahre 2017 keineswegs selbstverständlich. Anfang der 70er Jahre waren Frauen auch in den fortschrittlichsten Ländern der westlichen Welt oft froh, überhaupt arbeiten oder wählen zu dürfen, doch damit gaben sich etliche Top-Tennisspielerinnen, angeführt von Billie Jean King nicht zufrieden: 1972 sagten sie sich von der offiziellen Tennisorganisation los und gründeten die WTA, die Frauen-Tennis-Organisation, die seitdem eine unabhängige Tennistour organisiert, die es inzwischen weitestgehend geschafft hat, Lohnparität mit den männlichen Spielern zu erreichen.


So wie es Valerie Faris und Jonathan Dayton in ihrem Film „Battle of the Sexes“ schildern, waren die praktischen Schwierigkeiten dabei eher gering, der Hohn, der den Spielerinnen entgegenschlug, dagegen immens: Allzu sehr war die amerikanische Öffentlichkeit noch von Sexismus und Chauvinismus geprägt, wurden Frauen verlacht, als schwaches Geschlecht verspottet, wurde ihnen nicht zugetraut, mit Männern mithalten zu können. Eine Stimmung, die der ehemalige Profi Bobby Riggs (Steve Carell) nutzte, um sich mit unverhohlenen Macho-Attitüden über Frauen lustig zu machen und ein Spiel mit Billie Jean King (Emma Stone) zu provozieren, einer der damals besten weiblichen Profis.


Wie einen Zirkus inszenierte Riggs das am 20. September 1973 ausgetragene Duell, dessen sportlicher Wert eher gering war, dessen Symbolik allerdings nicht hoch genug einzuschätzen ist. Besonders die Nervenstärke, mit der King spielte und Riggs klar besiegte, nötigte auch vielen der meist männlichen Sportreportern und Journalisten Respekt ab und trug dazu bei, das nicht nur Frauentennis, sondern Frauen im allgemeinen ernster genommen wurden.


Ein wichtiges Ereignis in der Emanzipationsgeschichte, dessen Bedeutung in „Battle of the Sexes“ jedoch nur bedingt zu fassen gelingt. Etwas zu fasziniert scheint das Regie-Duo von den schier absurden Ausmaßen des alltäglichen Sexismus der frühen 70er Jahre zu sein, als es quasi zum guten Ton gehörte, Frauen als Schätzchen zu bezeichnen, sie auf ihr Äußeres zu reduzieren und generell nicht ernst zu nehmen. Viel Augenmerk wird auf das absurde Verhalten von Bobby Riggs gelegt, der mit Verve den Clown gibt, damit aber Kings eigene Wandlung überschattet: Die entdeckt im Laufe des Films die Liebe zu einer Frau, doch die angedeuteten emotionalen Konsequenzen, die die verheiratete King durchlebt, bleiben eher vage und oberflächlich.


Womit sich auch diese Episode dem Gesamteindruck eines Films anpasst, der sich weitestgehend darin genügt, in Ausstattung und Kostümen die frühen 70er Jahre wiederzugeben, Fönfrisuren und grelle Kleider zeigt, eine ferne Zeit evoziert, als ernstzunehmender Blick auf einen wichtigen Moment im Kampf gegen Sexismus jedoch etwas dünn bleibt.


Michael Meyns