BLACKKKLANSMAN


FILMKRITIK:

Als Schwarzer bei der Polizei zu arbeiten, ist auch heute noch alles andere als gewöhnlich, Anfang der 70er Jahre war es noch eine komplette Ausnahme. 1972 wird Ron Stallworth (John David Washington) die zweifelhafte Ehre zuteil, der erste schwarze Polizist in der Polizei von Colorado Springs im Bundesstaat Nevada zu werden. Auch innerhalb der Polizei herrschen noch tiefsitzende Vorurteile, doch das ist gar nichts gegen den Ku-Klux-Klan, der mit ganz gewöhnlichen Anzeigen in der Tageszeitung nach neuen Rekruten sucht.


Kurzentschlossen ruft Ron die Nummer an, gibt sich als rassistischer Weißer aus, dem die Zustände im Land zuwider sind - und wird schnell zu einem Treffen mit den lokalen Rassisten eingeladen. Aus offensichtlichen Gründen kann er nicht selbst erschienen und so schlüpft fortan sein weißer Kollege Flip Zimmermann (Adam Driver) in seine Rolle. Immer intensiver wird ihr Kontakt zum Klan, bis sie gar den damaligen Chef der Organisation David Duke (Topher Grace) treffen.


Erst 2006 konnte der ehemalige Polizist Ron Stallworth ein Buch über die Ereignisse veröffentlichen, die sich in den 70er Jahren zugetragen hatten. Inwieweit seine Beschreibungen der Wahrheit entsprechen, ist kaum zu überprüfen, beide Seiten, die Polizei und der Ku-Klux-Klan, schweigen sich aus. Für Spike Lees Versuch aus dieser absurd, ja, unglaublich anmutenden Begebenheit einen Film zu machen, entsteht dadurch ein erhebliches Glaubwürdigkeitsproblem. Lee scheint das nicht weiter zu kümmern, sein Interesse an der Geschichte besteht ohnehin nicht in historischer Genauigkeit, einer Beschreibung der Methoden des Ku-Klux-Klans, seiner Versuche, sich nicht mehr über Kreuz-Verbrennungen und weiße Kutten zu definieren, sondern politische Ämter zu erringen.


Über weite Strecken inszeniert Lee die Geschichte als groteske Komödie, betont die Absurdität der Situation, lässt die beiden ungleichen Polizisten wie in einer Buddy-Comedy agieren, die sich den tumben, rassistischen Hinterwäldlern des Klans mit Leichtigkeit erwehren. Vor allem aber benutzt er den Blick in eine historische Situation, um über das Amerika von heute zu erzählen. Wenn da Schwarze über Polizeigewalt sprechen, bei der Versammlung einer Bürgerrechtsbewegung zum Widerstand gegen das von weißen dominierte Amerika aufgerufen wird, lautstark „Wir sind schwarz und wir sind schön“ skandiert wird, dann zielt Lee mehr als deutlich auf die Gegenwart ab.


Dass tut er auch und vor allem in seinem allzu schlichten Versuch, David Duke mit Donald Trump gleichzusetzen. „America First“ und „Make America great again“ ruft dieser aus, also genau die beiden Parolen, die Trumps Ideologie zusammenfassen. Doch auch wenn Trump immer wieder Dinge von sich gibt - oder twittert -, die deutlich rechts von der Mitte stehen: Ein David Duke ist er nicht, vor allem aber ist das Amerika von 2018 nicht das der 70er Jahre.


Genug Probleme, gerade sozialer Natur, gibt es fraglos, dass trotz eines schwarzen Präsidenten und eines deutlich gewachsenen Bewusstseins für Rassenungleichheit, die Situation gerade für die Minderheiten Amerikas oft problematisch sind, steht außer Frage. Doch mit seiner polemischen Art, mit seinem aus der Wut gespeisten Herangehensweise, die stets behauptet, die Moral auf seiner Seite zu haben, zeigt Spike Lee einmal mehr, dass er zwar große stilistische Kraft besitzt, wuchtige, emotionale Filme dreht, deren politische Haltung allerdings oft allzu schlicht erscheint.


Michael Meyns