FASCINATING INDIA 3D


FILMKRITIK:

Kaum ein anderes Land besitzt aus Sicht des Westens eine derart reiche, geheimnisvolle und mythisch aufgeladene Kultur wie der von 1,2 Milliarden Menschen bevölkerte Subkontinent Indien. Die Geburtsstätte des Hinduismus und Buddhismus, von Yoga und Meditation bleibt rätselhaft, unüberschaubar in seiner Größe und voller Gegensätze. Für viele ist es zugleich ein absolutes Traumreiseziel, das sich aus Bildern alter Tempelanlagen, heiliger Orte und der Lebendigkeit scheinbar chaotischer Metropolen zusammensetzt. Genau solche Eindrücke finden sich auch in der Kinodokumentation „Fascinating India 3D“, in der die beiden Indien-Freunde Simon Busch und Alexander Sass den Norden dieses gewaltigen und schon deshalb so faszinierenden Landes erkunden. Ausgangspunkt ihrer Reise ist der prachtvolle Tempelbezirk von Ranakpur, wo die Religion der Jaini zuhause ist. Diese folgen dem Diktat einer strikten Gewaltlosigkeit, glauben sie doch, dass alles Gegenständliche – darunter auch Pflanzen und sogar Steine – eine Seele besitzen.


Von Ranakpur geht es weiter über Jaipur, Heimat der Maharajas, Jodhpur, der blauen Stadt der Brahmanen, bis nach Varanasi, der heiligsten Stadt der Hindus. Dort war es den Filmemachern nach langer Überzeugungsarbeit – und mit etwas Nachhilfe von finanzieller Seite – schließlich erlaubt, die Totenzeremonie am Ufer des Ganges mit der Kamera zu begleiten. Hier endet nach dem Verständnis der Gläubigen der Kreislauf aus Leben, Tod und Wiedergeburt. Es sind die sicherlich eindringlichsten und emotionalsten Aufnahmen eines ansonsten vor allem auf die Schönheit und Vielfalt der indischen Kultur fixierten Films. Immer wieder schwebt die Steadycam majestätisch durch die riesigen Tempelanlagen und durch die quirligen Straßen der von Händlern, unzähligen offenen Garküchen und Tuk Tuks bevölkerten Städte. Dabei gelingen Busch und Sass trotz der bekannten Touristenmotive wie das des Taj Mahal zumindest für Indien-Laien durchaus neue, spannende Einblicke.


Höhepunkt und Abschluss ihrer Rundreise ist die Kumbh Mela, das größte religiöse Fest der Hindus, das nur alle 12 Jahre stattfindet und aus dessen Anlass sich über 35 Millionen Menschen auf engstem Raum versammeln. Am und im Ganges führen die Gläubigen dabei ihre Rituale durch, tief versunken im Gebet und in einer angesichts des hektischen Drumherums beeindruckenden Ruhe. Für die bildgewaltigen Aufnahmen dieser religiösen Massenveranstaltung nutzte das Filmteam auch eine speziell hierfür entwickelte Drohnenkamera, die über dem Geschehen schweben und die Kumbh Mela so aus der Luft abfilmen konnte. So sehr die dabei gewonnenen Eindrücke auch in Erinnerung bleiben und selbst bei Indien-Skeptikern Fernweh entfachen dürften, so banal erscheint zumeist der begleitende Off-Kommentar, dessen Informationsgehalt eher zu einem touristischen Werbevideo gepasst hätte. Dass Busch und Sass die Probleme des modernen Indiens gleichzeitig komplett ausblenden, verwundert vor diesem Hintergrund nicht wirklich.


Marcus Wessel