THE END OF MEAT


FILMKRITIK:

Bilder von Legebatterien, eingepferchten Schweinen oder Rinder, die gemästet werden, bis sie geschlachtet und industriell verarbeitet werden, sind inzwischen fast allgegenwärtig. Immer stärker wird die Front der Menschen, die über den seit Jahrhunderten fest etablierten Fleischkonsum nachdenken, ihn reduzieren oder sich dazu entscheiden, vegetarisch zu leben. Die extreme Gegenbewegung zum extremen Fleischkonsum ist dabei ein veganes Leben, das gerade in den Großstädten der westlichen Welt ein zunehmender Trend wird, der allerdings von unabhängigen Ernährungswissenschaftlern auch zunehmend problematisiert wird.


Das vegane Ernährung nur mit erheblichem Aufwand möglich ist, dass oft Nahrungsergänzungsmittel genommen werden müssen, um mit lebensnotwendigen Vitaminen versorgt zu werden, all das sind problematische Aspekte einer veganen Ernährung, die man in Marc Pierschels Film „The End of Meat“ allerdings bedauerlicherweise vergeblich sucht. Dass nur die positiven Aspekte angesprochen werden und Produzenten veganer Lebensmittel ausführlich über die Vorzüge ihrer Produkte erzählen dürfen, macht „The End of Meat“ als Dokumentation allerdings problematisch.


Was umso bedauerlicher ist, als der eigentliche Ansatz - ein vernünftigerer Umgang mit Tieren - fraglos sinnvoll ist. Doch ist die Vision, dass Tiere bald den Menschen gleichgestellt werden, dass ihnen Rechte zugesprochen werden, die von Anwälten vor Gerichten vertreten werden, wirklich eine realistische Möglichkeit? Die Beispiele vom Zusammenleben zwischen Mensch und Tier, die Pierschel vorstellt, kleine Höfe, in denen etwa die Autorin Hilal Sezgin mit Tieren zusammenlebt, die keinerlei Nutzen haben, sondern einfach nur dort leben, erscheinen kaum mehr als Einzelfälle. Erst recht die beiden Kanadier Steve Jenkins und Derek Walker, die mit einem ausgewachsenen Schwein zusammenleben. Ist das wirklich mehr als eine skurrile Anekdote?


So extrem wie das traditionelle Fleischessen, der Wunsch, mehrmals in der Woche dicke Koteletts oder Steaks auf dem Teller zu haben anmutet, so extrem wirkt auch die komplette Antifleischbewegung, die Pierschel in seinem Film propagiert. Soweit geht er dabei, dass sogar der Versuch, per Genmanipulation und Experimenten im Labor, künstlichen Fleischersatz zu produzieren, als realistische, sogar wünschenswerte Alternative Raum bekommt.


Dass es auch zwischen den extremen Massentierhaltung und veganer Existenz viel Raum und Möglichkeiten gibt, deren Umsetzung vor allem auch viel realistischer erscheint, gerade in Bezug auf die Bedürfnisse der sich entwickelnden Welt, bleibt leider außen vor. Allzu einseitige Positionen vertritt Pierschel in seinem Film, allzu sehr auf die Seite der veganen Industrie schlägt er sich und unterschlägt dabei, dass auch diese Seite wirtschaftliche Interessen verfolgt und oft ebenso einseitig argumentiert wie die Gegenseite, die Fleischindustrie.


Michael Meyns