THE HELP



Die junge Eugenia Phelan, genannt Skeeter (Emma Stone) kommt nach ihrem Uni-Abschluß wieder auf die elterliche Baumwollfarm in Jackson/Mississippi zurück. Sie hat die Absicht, Journalistin und Schriftstellerin zu werden und bewirbt sich gleich bei der örtlichen Zeitung. Trotz ihrer dürftigen Referenzen bekommt sie die Chance, wöchentliche Haushaltstipps zu schreiben. Skeeters ehemalige Schulfreundinnen haben keinen Beruf ergriffen, das gilt in der weißen Oberschicht als unschicklich. Stattdessen widmen sich die gelangweilten Süstaaten-Ladys dem Bridge-Spiel oder diversen Wohltätigkeitsveranstaltungen. Kinder gehören dazu, erzogen aber werden sie von schwarzen Dienstmädchen, die als eigentliche Mütter fungieren, denn emotionale Wärme bekommen die Kleinen von den leiblichen Müttern nicht. Dafür werden die Dienst- und Kindermädchen wie Menschen zweiter Klasse behandelt, ohne soziale Sicherheit und immer den Launen ihrer Herren ausgeliefert.

In dieses rassistische Südstaatenklima der 60er Jahre führt uns Regisseur Tate Taylor ("Winter's Bone"). Äußerlich ein grünes, feucht-heißes Paradies - hinter den schicken, pittoresken Fassaden oft die Hölle. Skeeter, mit ausgeprägtem Gerechtigkeitsgefühl, gilt hier als Gegenpol, als weiße Außenseiterin, die schon immer Symphatien für ihre afroamerikanischen Mitmenschen empfand. Um ihre Haushaltskolumne fachgerecht zu schreiben, sucht sie Kontakt zu zwei Dienstmädchen, Abileen (Viola Davis) und Minny (Octavia Spencer). Die diskriminierenden Erfahrungen der Beiden führen zu einem Plan. Skeeter möchte die Geschichten in einem Buch verarbeiten und anonym veröffentlichen. Daß sie dabei Kollisionen mit den herrschenden Gesetzen riskiert, nimmt sie mutig in Kauf. Nicht nur sie, auch die interviewten Frauen setzen viel aufs Spiel.

Emma Stone ("Einfach zu haben") hat mit ihrer Skeeter die tragende Rolle übernommen. Burschikos, verletzlich, aber couragiert wehrt sie sich gegen die Auswüchse des dekadent-rassistischen Lebenstils ihrer Heimat. Dabei will sie eigentlich nur Schriftstellerin werden, riskiert aber etwas, auch den Bruch mit alten Freundschaften oder Verehrern. Letzeres sehr zum Ärger ihrer krebskranken Mutter Charlotte Phelan, die ihre Tochter lieber unter der Haube sehen will. Alison Janney ("Juno", "The Hours") spielt überzeugend den Spagat zwischen Festhalten an alten Konventionen und ihrem schlechten Gewissen, was den Umgang mit dem eigenen, früheren Dienstmädchen betrifft. Trotz ihrer Zwiespältigkeit findet sie Verständnis für ihre Tochter.

Viola Davis verkörpert das Dienstmädchen Aibileen und hat damit die vielschichtigste Rolle. Sie spielt alle Nuancen von Melancholie, Unterwürfigkeit, stiller Trauer bis zur zaghaften Hoffnung und wachsender innerer Stärke aus. Ihre Geschichte geht ans Herz, ebenso wie die von Minny, dargestellt von Octavia Spencer ("Dinner für Spinner", "Sieben Leben"). Minny ist die Resolute, die ihren Mund nie halten kann und sich nichts gefallen läßt. Um ihre Kochkünste wird sie dagegen beneidet - was einmal fatale Auswirkungen hat. Da sie Probleme bei der Jobsuche bekommt, ist sie froh, daß eine andere weiße Außenseiterin, die naive Celia Foote sie einstellt. Jessica Chastain ("The Tree of Life") spielt diesen symphatischen, überdrehten Vamp-Verschnitt, der in Jacksons Ladyskaste als Flittchen verrufen ist.

Ein weiteren weißen Symphatieträger stellt Sissy Spacek ("Nashville Lady") dar. Sie mimt die pfiffige Mutter von Hilly Holbrook, der selbsternannten Chefin der Oberschichtsfrauen und Wohltätigkeitsliga. Bryce Dallas Howard, ein anderes Besetzungs-Highlight, agiert in dieser Rolle als beste alte Schulfreundin von Skeeter als Bösewicht, der vollends davon überzeugt ist, daß sie das Richtige tut. Das gleiche gilt für die hinterhältige Figur von Elizabeth Leefolt, verkörpert von Ahna O' Reilly.

Gedreht wurde "The Help" an Originalschauplätzen in Mississippi, um den ureigenen Charakter der Gegend authentisch einzufangen. Herausgekommen sind wunderbare Bilder, die den Zuschauer in diesen emotionalen Film hineinziehen. Das Interieur wurde mit großer Sorgfalt ausgesucht. Stilsicher die Kleidung der 60er Jahre, die Frisuren, das Make-up, die Autos oder Busse. Alles ist stimmig. Und die Musik von Thomas Newman gibt einen berührenden, passenden Rahmen ab mit Blues, Soul und Gospel. Großes Hollywood-Kino, unterhaltsam und aufwühlend. Bleibt nur zu hoffen, daß bei der synchronisierten Fassung nicht zu viel an Kolorit verloren geht.

Heinz-Jürgen Rippert