THE MAN WHO KILLED DON QUIXOTE


FILMKRITIK:

Mit „Lost in La Mancha“ gibt es sogar schon eine Dokumentation über einen der zahlreichen Versuche von Terry Gilliam, einen Film über eine der berühmtesten Figuren der Literaturgeschichte zu drehen: Miguel de Cervantes Ritter von der traurigen Gestalt Don Quijote, auf englisch meist Quixote geschrieben. Damals sollte Jean Rochefort den Ritter spielen, in einer anderen Version John Hurt (diesen beiden, inzwischen verstorbenen Schauspielern ist der Film gewidmet) nun ist es Jonathan Pryce, der gegen Windmühlen kämpft.

Eine Metapher war das schon im Roman, eine Metapher, die sich leicht auch auf das Leben eines Filmregisseur übertragen lässt, der oft allein gegen alle um sein Werk zu kämpfen scheint, seine Vision auf die Leinwand bringen will, gegen Investoren kämpft, denen es nicht um Kunst geht, sondern um Kommerz. Mag sein, dass sich Terry Gilliam wie ein Quixote fühlt, der nun endlich genug Geld zusammen hatte, um in Portugal und Spanien einen Film zu drehen, den er schon lange, vielleicht zu lange im Kopf hatte.

In der Hauptrolle ist Adam Driver zu sehen, der Toby spielt, einen Werbefilmregisseur, der einst von Größerem träumte. Beim Dreh in der kargen spanischen Natur stößt er zufällig auf eine DVD eines Studentenfilms, einer Don Quixote-Version, die er vor Jahren in einem nicht weit entfernten Dorf drehte. Kurzentschlossen macht er sich auf die Spurensuche: Sein ehemaliger Don, eigentlich ein Schuster, hält sich inzwischen für den leibhaftigen Mann aus La Mancha, doch vor allem geht es Toby um eine holde Maid (Joana Ribeiro), deren Leben sich durch den Dreh ebenso veränderte wie das Schicksal des ganzen Dorfes.

Hinzu kommen ein eifersüchtiger Produzent (Stellan Skarsgård) seine nymphomane Geliebte (Olga Kurylenko), ein russischer Oligarch (Jordi Mollá), dessen Auftritt ebenso unerklärlich bleibt wie so vieles in einem Film, dem man es nicht anmerkt, dass Gilliam und sein Co-Autor Tony Grisoni zumindest theoretisch gut 25 Jahre Zeit hatten, um am Drehbuch zu arbeiten. Wie so oft in den Gilliam-Filmen, in denen er selbst am Buch mitschrieb, krankt auch „The Man who killed Don Quixote“ an einem Mangel an Kohärenz. Zwar ist Gilliam immer noch in der Lage visuell überbordende Szenen zu inszenieren, gibt sich in vielen Szenen einem absurden Exzess hin, der im guten wie im schlechten praktisch einzigartig ist, doch was er im Rahmen dieser Absurditäten eigentlich erzählen will bleibt offen.

Vielversprechende Bezüge zur Arbeit eines Regisseurs im allgemeinen und zu Gillaims Persona im Besonderen hat die Quixote-Figur, auch die Frage, welche Folgen eine Filmproduktion für das Schicksal der Menschen in einem kleinen Dorf haben kann, das plötzlich für ein paar Wochen mit einer völlig anderen Welt konfrontiert wird bietet viel Erzählpotential. Doch wie so oft beschränkt sich Gilliam darauf, Fassaden zu errichten und Typen zu inszenieren, während er an Geschichte und Charakteren kaum Interesse zu haben scheint. Dass zudem sein Frauenbild irgendwann in den 70er Jahren stehengeblieben zu sein scheint, macht seinen Film nicht sympathischer, der zwar in vielen Momenten toll anzusehen ist, auch immer wieder ein Gefühl für die inhärente Melancholie der Don Quixote-Figur vermittelt, als Ganzes aber doch oft einfach viel zu viel ist.

Michael Meyns