WHO CARES? DU MACHST DEN UNTERSCHIED


FILMKRITIK:

Social Entrepreneurs – Sozialunternehmer. So nennt sich eine noch recht junge Berufsform, die schwer zu definieren ist. In unterschiedlichsten Bereichen arbeiten diese Sozialunternehmer, verbunden in erster Linie durch den Gedanken, sich auf die eine oder andere Weise für die Verbesserung von Lebensumständen einzusetzen. Diverse dieser Sozialunternehmer porträtiert die brasilianische Regisseurin Mara Mourao in ihrem Film „Who Cares? – Du machst den Unterschied“, der an der Antwort seiner im Titel gestellten Frage keinen Zweifel lässt: Wir alle sollten uns kümmern und uns bemühen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Gegen solchen Aktivismus ist zunächst einmal nichts einzuwenden, schließlich liegen die Missstände der Welt auf der Hand: Umweltverschmutzung, Raubtierkapitalismus, Ausbeutung von Ressourcen und ärmeren Länder, Kriege, Armut, Finanzkrise und und und. Im Angesicht dieser teils kaum zu fassenden Probleme zu resignieren und sich auf ein „Da kann man ja ohnehin nichts dran ändern“ zurückzuziehen ist natürlich keine Lösung. Dieser Haltung versucht Mourao Engagement entgegenzusetzen und zu zeigen, dass auch scheinbar kleine Dinge große Wirkung haben können.

Bestes Beispiel dafür scheint der indische Nobelpreisträger Muhammad Yunus zu sein, der in den 80er Jahren die so genannten „Mikrokredite“ erfand. Um winzige Geldsummen geht es hier, oft kaum mehr als 20 oder 30 Euro, die für Bauern der ärmsten Länder dennoch der Beginn eines eigenständigen Unternehmertums sein können. Doch für große Banken waren diese Summen im wahrsten Sinne des Wortes Peanuts und nicht der Mühe wert. Erst Yunus schaffte es mit Gründung seiner Grameen Bank, die Situation zu ändern, und wurde zu einem Vorzeigesymbol des erfolgreichen Engagements.

Doch inzwischen ist längst Kritik am scheinbaren Erfolg der Mikrokredite laut geworden, zudem steht Yunus selbst wegen Zweckentfremdung von Spendengeldern in der Kritik. Doch von all dem ist in „Who Cares? – Du machst den Unterschied“ keine Rede. Eine differenzierte Darstellung von positiven, aber auch den oft negativen Folgen bestimmter Formen der Entwicklungshilfe findet in Mara Mouraos Film nicht statt. Hier werden einzelne Projekte in Brasilien (ein Clown, der Kindern in Krankenhäusern besucht) oder Tansania (Ratten, die dazu trainiert werden Landminen aufzuspüren) vorgestellt und in oft pathetischer Manier für Engagement geworben.

Bisweilen wirkt das wie ein Werbefilm für Bill Drayton, der mit seiner Firma Ashoka weltweit tausende Hilfsprojekte unterstützt. Diese fehlende Differenzierung, der Verzicht auf kritische Fragen, ist schade und hätte Mara Mouraos Film zu einer wirklichen Dokumentation über eine noch neue, aber viel versprechende Methode, die Welt zu verändern gemacht. So ist „Who Cares? – Du machst den Unterschied“ reine Agitation, fraglos dem Selbstverständnis folgend, für eine gute Sache zu sein, aber was gut und richtig ist, ist eben oft nicht so klar und eindeutig, wie es dieser Film suggeriert.


Michael Meyns